Aus dem Bezirk NRW vom 30. September 2003:
Ist Satan doof?
„Na hoffentlich!“ Dieser hörbare Kommentar rutschte mir heraus, als beim Jugendtag der Zettel „Satan ist doof!“ gezeigt wurde, und allgemeine Heiterkeit ausbrach. Meine Umgebung schaute mich etwas skeptisch an. Und ich sah mich im Nachhinein veranlasst, einmal darüber nachzudenken, was es mit dem Satz „Satan ist doof!“ auf sich hat.
Was wir an diesem Satz so lachhaft finden, ist vor allem die kindliche Ausdrucksweise. Als Kinder haben wir Leute „doof“ gefunden, die bei uns aufgrund gewisser Verhaltensweisen einen negativen Gesamteindruck hinterließen. Doof fanden wir zum Beispiel den Jungen, der unbedingt unsere Burgen verwüsten musste, die wir im Sandkasten bauten.
Doof fanden wir die Mitschülerin, die heimlich in der Pause unser Bild für den Kunstunterricht verunstaltete, damit wir keine bessere Note bekamen, als sie selbst. Doof fanden wir auch die Jungs aus den höheren Klassen, die uns gerne einschüchterten und Gewalt androhten.
Nicht viel anders ist auch das, was wir an Satan „doof“ finden. Unser Schöpfer hat uns in eine Welt hineingestellt, die auf zwei sinnstiftende Ziele ausgerichtet ist: Auf den Zustand des Seins und auf den Prozess des Werdens. Der Teufel ist nun derjenige Geist, der diesen Zielen entgegenarbeitet. Goethe hat dies treffend charakterisiert, indem er den Teufel sagen lässt: „Ich bin der Geist, der stets verneint! [...] So ist nun alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, mein eigentliches Element.“ (in: Faust 1, Zeile 1338ff)
Genauso stört unser „doofer“ kleiner Sandkastentrampler beispielsweise den Entstehungsprozess beziehungsweise das Sein einer Sandburg und lässt stattdessen in „kurzem Prozess“ eine Sandwüste mit vielen Fußabdrücken entstehen …
Um sinnvolle Prozesse in dieser Welt zu stören, tritt der Teufel nicht persönlich in Erscheinung, sondern bedient sich mancher Menschen. Er beeinflusst beispielsweise Machthaber, einen Krieg zu führen, mit dem Ergebnis, dass der natürliche Lebensprozess tausender Menschen durch einen frühen Tod unterbrochen wird, dass auf riesigen Flächen der Prozess des Wachsens und Reifens von Früchten gestoppt wird, dass Stadtentwicklungs- und Wirtschaftsprozesse zum Stillstand kommen.
Gehen wir nun von der natürlichen (stofflichen) Schöpfung über zur so genannten „Geistes- und Sohnesschöpfung.“ Auch hier findet ein Prozess statt: Die Bereitung der „Braut Christi“ für den Tag der Heimholung und ihre zukünftige Tätigkeit als Könige und Priester im Friedensreich. Eben diesen Prozess versucht Satan aufzuhalten, zu stoppen oder in etwas anderes umzuwandeln. Dabei bedient er sich mitunter auch verschiedener Menschen. Schon Jesus warnte: „Es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, sodass sie, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführten.“ (Matthäus 24 Vers 24)
Das ist doch wirklich doof, oder? Das ist ganz und gar kein Grund zur Freude! Warum dann noch meine Bemerkung: „Na, hoffentlich!“?
Wenn wir jemanden als doof ansehen, unterstellen wir ihm zumeist auch minderwertige geistige Fähigkeiten. Kurz gesagt: Wer doof ist, wird auch für dumm gehalten. Diese Einschätzung trifft nicht immer völlig zu und ist sehr gefährlich! So auch hier:
Mögen wir die Zielsetzungen des Teufels auch als doof identifizieren, die Methoden, die er anwendet, sind alles andere als dumm. Nicht umsonst wird er beim ersten Sündenfall im Paradies als listige Schlange dargestellt. Darüber hinaus ist er ein geschickter Verkleidungs- und Verpackungskünstler. „Der Teufel hat einen großen Kleiderschrank!“, pflegte schon der frühere Münsteraner Bezirksevangelist Erich Schorr zu sagen. Soviel List und Tücke sollte nicht verniedlicht und unterschätzt werden!
Und somit stelle ich fest, dass ich mit dem Seufzer: „Na hoffentlich!“ zweierlei ausdrücken wollte: „Hoffentlich begreift jeder, wie doof die Ziele des Widersachers sind!“ und: „Hoffentlich ist er nicht gar so listig – damit ich seine doofen Absichten rechtzeitig erkenne!“
Es ist also Vorsicht geboten, Satan nicht zu unterschätzen, auch wenn er „doof“ ist. Andererseits dürfen wir aber auch die Worte für uns in Anspruch nehmen: „…der in euch ist, ist größer als der, der in der Welt ist.“ (1. Johannes 4 Vers 4). Und um diese Überlegenheit richtig einzusetzen, rät Apostel Jakobus: „Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch“ (Jakobus 4 Vers 7).
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