Aus dem Bezirk NRW vom 10. Januar 2004:
Jugendliche im Gespräch mit StAp. Fehr und BAp. Leber - Teil 2
Umfassend nahmen Stammapostel Richard Fehr und Bezirksapostel Wilhelm Leber zu den zentralen Fragen der Jugendlichen Stellung, die Aspekte der Planung und Umsetzung eines deutschlandweiten Jugendtages, Möglichkeiten des Zugangs zur Heiligen Schrift und das sensible Thema des unterschiedlichen Engagements einiger Amtsträger thematisierten.
Ein lebendiges Gespräch, in dem Stammapostel Richard Fehr auch Fragen an die Jugendlichen zurück gab, entwickelte sich hinsichtlich der Idee eines deutschlandweiten Jugendtages. Der spontane Kommentar von Richard Fehr, dies sei eine „großartige Vorstellung“ wurde ergänzt durch seine Überlegungen hinsichtlich eines geeigneten Veranstaltungsortes, der Anzahl der zu erwartenden Teilnehmer/Innen sowie Fragen zur Organisation einer solchen Großveranstaltung. Zwar erteilte Richard Fehr der Idee der Jugendlichen mit einer vagen Zeitplanung: „Aber irgendwann in der Zukunft: Why not?“ keine Absage, wies jedoch auf den enormen organisatorischen und finanziellen Aufwand einer solchen Veranstaltung hin. Dieser Aufwand sei nur gerechtfertigt, wenn tatsächlich alle der etwa 40.000 Teilnehmer/innen, die zu erwarten seien, auch etwas davon hätten. Diese Forderung setze wiederum einen passenden Veranstaltungsort – „Natürlich in Oberhausen“, schmunzelte der Stammapostel – mit einem leistungsfähigen technischen Equipment voraus. Stammapostel Richard Fehr regte auch zur weitergehenden Überlegungen an: nahezu zwingend sei mit der Forderung nach einem europäischen Jugendtag im Anschluss an einen deutschen zu rechnen, und dieses Anliegen sei definitiv aufgrund von Sprachbarrieren und der immensen Kosten, die die weite Anreise den Jugendlichen verursachen würden, fast illusorisch. Und dennoch war der Tenor seiner Antwort der, dass es „verlockend“ sei, einen deutschlandweiten Jugendtag durchzuführen.
Großes Verständnis hatte der Stammapostel auch für die Frage der Jugendlichen, auf welche Weise sie sich nicht nur einen Zugang zur Heiligen Schrift verschaffen, sondern sich auch gleichzeitig mit deren Inhalt, ihren Botschaften auseinandersetzen könnten. Erstaunen mischte sich in die Aufmerksamkeit der Fragesteller, als Richard Fehr frank und frei gestand: „Als junger Mensch war die Bibel auch nicht gerade meine Lieblingslektüre!“. Karl May etwa und andere Lektüren – hier wollte er nicht ins Detail gehen - stand nach eigenen Angaben auf der persönlichen Hitliste. Die Jugendlichen thematisierten ihr Bewusstsein, dass die Bibel Grundlage ihres Glaubens sei, dass aber Seelsorger aller Konfessionen mit Schwierigkeiten zu kämpfen hätten, dem Nachwuchs einen Zugang zur Bibel zu ermöglichen und die Auseinandersetzung mit den Glaubensinhalten attraktiv und nachvollziehbar sinnhaft zu gestalten.
Es sei gar nicht notwendig, täglich stundenlang in der Bibel zu lesen. Wichtiger sei es vielmehr, sich über Gottes Willen Klarheit zu verschaffen, und nach christlichen Grundsätzen etwa dem der Gerechtigkeit - zu leben. Wer diesen Willen habe, der verspüre, da sei er sicher, gelegentlich das Bedürfnis, auch einmal in der Bibel zu lesen. Zehn Minuten Lektüre am Tag seien völlig ausreichend. Es genüge, täglich vielleicht ein Kapitel in einem Buch des Alten oder Neuen Testamentes zu lesen, und empfahl insbesondere die Evangelien. Mit einem Paulus-Zitat (an Timotheus) illustrierte der Stammapostel die Empfehlung des Apostels: „ ...dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit, durch den Glauben an Jesus Christus. Denn alle Schrift von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.“
Auch der Bezirksapostel in NRW, Wilhelm Leber, stellte sich bereitwillig den Fragen der Jugendlichen.
Einen Aspekt der „Arbeitsverteilung“ in der Kirchen- und Gemeindearbeit thematisierten die Interviewer in einer weiteren Frage: „Wie wollen Sie das Problem, von Ihnen in einem Interview erwähnt, ‚Wenige Brüder machen alles‘ und wir fügen hinzu ‚Manche Brüder leider wenig‘, angehen und vielleicht lösen?“
Bezirksapostel Leber setzt hier auf Überzeugungsarbeit, die geleistet werde müsse. Es gebe kein Patentrezept, so der Bezirksapostel, aber es sei seine Überzeugung und auch die zahlreicher Glaubensbrüder und -schwestern, dass es einem Menschen wirklich ‚etwas bringt’, sich für Gott und damit auch die Mitmenschen zu engagieren. Es sei ein schönes Gefühl, es bringe Segen und schenke inneren Reichtum, dies zu erleben. Unbegründet sei die Angst vor der Übernahme eines „Amtes“, kommentierte Wilhelm Leber, weil die positiven Erlebnisse und die persönliche Bereicherung im Vordergrund ständen. Für das Engagement zu werben und zu bewirken, dass die vorhandene und notwendige Arbeit leichter ist, wenn sie auf mehrere Schultern verteilt wird, das sei zentrale Aufgabe seiner Informationsarbeit. Ein Appell erging in diesem Zusammenhang auch an die Amtsträger und Aktiven: es sei nicht konstruktiv und nicht dem Engagement förderlich, wenn lediglich Aufwand und Mühe thematisiert würden: „ ... dass wir alle als Amtsträger dazu beitragen können, eine positive Atmosphäre zu schaffen und die Bereitschaft zu einem Amt zu erhöhen, dadurch, dass wir nicht zu viel stöhnen, sondern dass wir auch das Schöne, das Freudige in den Mittelpunkt stellen“, war hier seine Botschaft an alle Amtsträger.
Mit der Frage, ob die Jugend in NRW etwas von den Jugendlichen in Hamburg lernen könnte, bewiesen die Fragesteller Bereitschaft und Interesse, über den eigenen (nordrhein-westfälischen) Tellerrand hinauszublicken. Wilhelm Leber, der zum Zeitpunkt des Interviews seit 9 Monaten das Amt des Bezirksapostels in NRW bekleidete, konstatierte sehr wohl Unterschiede in der Mentalität der Jugendlichen in Norddeutschland im Vergleich zu denen unseres Bundeslandes. Allerdings sei auch in Nordrhein-Westfalen keine homogene Mentalität feststellbar. Dennoch unternahm er den Versuch einer Beschreibung der eher liberalen, tendenziell toleranten Haltung der Norddeutschen, die er der eher bodenständigen Mentalität der Westfalen gegenüberstellte. Diese hätten allerdings mitunter auch den Ruf, stur zu sein. Vor- und Nachteile hätten beide Ausprägungen, so Wilhelm Leber, der allerdings der Auffassung ist, dass diese Wesensmerkmale bei den Jugendlichen weniger stark ausgeprägt seien. Dies führte der gebürtige Westfale nicht zuletzt auch auf die größere Flexibilität in der Arbeitswelt zurück, so dass eine „Durchmischung“ der Mentalitäten heute sehr viel mehr als früher gegeben sei. Eine ideale Vorstellung für Wilhelm Leber: eine Kombination aus hanseatischer Offenheit, Toleranz und westfälischem Standing.
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